U14-NHM in Bad Wildungen: Zwischen Meistertitel und kämpferischen Momenten

Am Samstag, den 22. August, trafen sich die nordhessischen Athletinnen und Athleten der U14 in Bad Wildungen zu den Nordhessischen Meisterschaften im Vierkampf und über die Langstrecke.

Nach einer erfolgreichen ersten Saisonhälfte und der Sommerpause lief der Wettkampf für unsere LAV-Athletinnen und -Athleten diesmal nicht ganz so rund wie gewohnt. Ob es an der unterbrochenen Wettkampfroutine, dem späten Ende der Sommerferien oder am wechselhaften Wetter lag, sei dahingestellt. Fest stand am Ende des Tages: So richtig zufrieden und glücklich trat niemand die Heimreise nach Kassel an. Auch der Eiswagen, der bei Wettkämpfen in Bad Wildungen inzwischen fast schon zum festen Bestandteil gehört, konnte daran nur bedingt etwas ändern.

Amelie Sophia Jordan – ein Wettkampf, der mehr erzählt als das Ergebnis

Amelie Sophia Jordan belegte mit 1.518 Punkten den fünften Platz im Vierkampf.

Dabei begann der Wettkampf für Amelie nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Im Weitsprung kam sie auf 3,80 Meter – eine solide Weite, die allerdings deutlich hinter ihrem eigenen Können und ihren Erwartungen zurückblieb. Gerade weil der Weitsprung in den vergangenen Wettkämpfen nicht immer leicht für sie war, entstand offenbar zusätzlicher Druck. Der anschließende Sprint verlief entsprechend ebenfalls nicht so befreit, wie man es von Amelie gewohnt ist. Über die 75 Meter blieb die sonst so verlässliche Sprinterin bei 11,63 Sekunden und war mit ihrer Leistung verständlicherweise nicht zufrieden.

Im Ballwurf konnte Amelie mit 27,50 Metern wieder etwas Boden gutmachen. Emotional brachte ihr die Leistung jedoch nicht die erhoffte Entlastung – und so wurde der abschließende Hochsprung zum eigentlichen Krimi des Tages.

Mit einer Einstiegshöhe von 1,20 Metern kämpfte Amelie sich von Versuch zu Versuch. Jede Höhe gelang ihr zunächst erst im dritten Versuch. Die Anspannung war deutlich zu spüren, kurz vor dem Abbruch flossen sogar Tränen. Doch Amelie blieb dran.

Am Ende übersprang sie 1,28 Meter und sicherte sich damit den fünften Platz in der Gesamtwertung.

Wer die vergangenen Monate und Amelies Entwicklung verfolgt hat – unter anderem mit dem fulminanten vierten Platz bei den Hessischen Mehrkampfmeisterschaften – weiß, dass dieser Wettkampf für sie persönlich nicht der erhoffte Erfolg war. Und trotzdem verdient gerade dieser Tag eine besondere Erwähnung.

Denn Amelie zeigte etwas, das sich in keiner Ergebnisliste messen lässt: Sie kämpfte sich durch einen Wettkampf, der ihr mental alles abverlangte. Sie stellte sich ihrer Enttäuschung, ihrer Angst und dem eigenen Anspruch und machte trotzdem weiter.

Genau solche Momente machen Leichtathletik aus: der stete Kampf gegen die eigenen Grenzen, manchmal auch gegen die eigene Angst. Nicht immer sind es persönliche Bestleistungen oder Podiumsplätze, die von einem Wettkampftag bleiben. Manchmal ist es die Erkenntnis, trotz aller Schwierigkeiten weitergemacht zu haben.

Und genau darauf darf Amelie an diesem Tag stolz sein.

Elira Cunmuljaj holt sich den nächsten Titel

Deutlich erfolgreicher verlief der Vierkampf für Elira Cunmuljaj. Mit 1.646 Punkten sicherte sie sich den nächsten nordhessischen Meistertitel – und das mit gerade einmal vier Punkten Vorsprung auf die Zweitplatzierte.

Elira startete mit 4,38 Metern im Weitsprung solide in den Wettkampf. Ohne die bei Mehrkämpfen sonst übliche längere Pause ging es direkt mit dem 75-Meter-Sprint weiter. In 11,07 Sekunden blieb sie diesmal zwar knapp über ihren sonst gewohnten Zeiten unter 11 Sekunden, sammelte aber weiterhin wichtige Punkte.

Im anschließenden Ballwurf erzielte Elira 31,50 Meter und konnte damit in der Gesamtwertung weiter punkten.

Zum Abschluss ging es in den Hochsprung. Was zunächst sehr souverän aussah und mit viel Platz über der Latte begann, endete etwas überraschend bereits bei 1,24 Metern. Vielleicht war zu diesem Zeitpunkt auch schon der zweite Wettkampf des Tages – die 2.000 Meter – im Hinterkopf.

Am Ende reichte es dennoch für den knappen und verdienten Sieg in der Gesamtwertung. Mit vier Punkten Vorsprung darf Elira sich erneut Nordhessische Meisterin nennen.

2.000 Meter direkt hinterher

Damit war Eliras Wettkampftag allerdings noch lange nicht beendet. Während viele ihrer Konkurrentinnen über 2.000 Meter frisch und erholt an den Start gingen, hatte Elira bereits einen kompletten Vierkampf in den Beinen.

Als eigentlich so starke Läuferin musste sie dieser Belastung diesmal Tribut zollen. Aufgeben war jedoch keine Option: Elira lief gegen die zunehmende Erschöpfung an und absolvierte die 2.000 Meter in 8:14,08 Minuten. Damit belegte sie den sechsten Platz.

Auch wenn die Zeit nicht ihren sonstigen Leistungen entsprach, verdient allein die Tatsache Respekt, dass Elira nach dem Vierkampf noch einmal über die lange Strecke antrat und sich bis ins Ziel kämpfte.

Moritz Winter auf Platz drei

Über die 2.000 Meter ging auch Moritz Winter (M13) an den Start. Er lief in 8:16,33 Minuten auf den dritten Platz.

Mit seiner Zeit blieb Moritz allerdings deutlich hinter seiner persönlichen Bestleistung zurück und war entsprechend nicht zufrieden mit seinem Lauf. Der dritte Platz bei den Nordhessischen Meisterschaften zeigt dennoch, dass er sich auch an einem für ihn nicht optimalen Tag im vorderen Feld behaupten konnte.

Nicht jeder Wettkampf läuft nach Plan

Nicht jeder Wettkampftag bringt persönliche Bestleistungen, Medaillen oder die Ergebnisse, die man sich vorher vorgenommen hat. Gerade im Mehrkampf entscheidet sich vieles nicht nur in einer einzelnen Disziplin, sondern auch im Kopf.

Der Wettkampf in Bad Wildungen hat deshalb beides gezeigt: mit Elira eine Athletin, die trotz enger Konkurrenz den nächsten Titel holte, und mit Amelie eine Athletin, die an diesem Tag vor allem mental über sich hinauswachsen musste.

Beides gehört zur Leichtathletik dazu.

Michal Biernat meldete sich kurzfristig in Absprache mit seinem Trainer Jonathan Pflüger aufgrund einer geplanten Belastungssteuerung vom Wettkampf ab.

Für unsere Athletinnen und Athleten geht es nun darum, die Erfahrungen aus Bad Wildungen mitzunehmen, die Akkus wieder aufzuladen und die nächsten Wettkämpfe mit neuer Energie anzugehen.